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Die alte Dorfkirche St. Niels

Die Vermutung, dass die  Westerländer Dorfkirche St. Niels gebaut wurde, weil ihre gleichnamige Vorgängerin bei der verheerenden Sturmflut am 11./12. Oktober des Jahres 1634 ins Meer stürzte, ist falsch. Das Kirchlein, damals als Orientierung der Schiffer bekannt, fiel »daselbst bey Nacht und stillem Wetter« schon vorher zusammen. Es muß darin so erbärmlich gestunken haben, daß den Kirchgängern übel wurde.


Die »Eytumer«, die aus ihrem vorgelagerten Dorf bereits 1436 von dem Meer vertrieben wurden und auf der Tinnumer Feldmark »Westerlon« ihre Häuser wieder aufbauten, benutzten noch fast 200 Jahre ihr altes, etwa in der Höhe der heutigen Käpt'n-Christiansen-Straße gelegenes Gotteshaus. Den Neubau begannen sie 1635 so weit im Osten des Dorfes, dass die Stadtgrenze, ein Unikum, mit der des Friedhofes um St. Niels identisch ist. Der Name Niels ist die friesische Ableitung von Nikolaus, Bischof v. Myra, dem Schutzheiligen der Seefahrer, dem auch die 1908 gebaute Stadtkirche St. Nicolai geweiht ist.



Der Neubau der Kirche vor mehr als 350 Jahren musste von der gewiss sehr armen Gemeinde allein finanziert werden. Ihr wurde 1634 lediglich eine »milde Bystewer« zugesagt. Dabei hatte ein holländischer Schiffer, der die Kirche »arg betrogen« haben soll, den finanziellen Grundstock durch den Erwerb des geborgenen Kupfer- und Bleidaches gelegt. Überdies verweigerten die Wenningstedter, wie die Rantumer zum Kirchspiel Westerland gehörend, einen Beitrag.


Beim Neubau wurde das vorhandene Inventar verwendet, als wertvollster Schmuck der spätgotische  Schnitzaltar. Das dreiflügelige Werk zeigt im Mittelschrein eine Marienkrönung, flankiert von zwei Bischöfen, links Nicolaus oder Severin und rechts Dionysius, und in den Seitenflügeln die Apostel. Ein strenges Luthertum veranlasste, dass im 19. Jahrhundert der Mittelteil aus dem Altar entfernt wurde. An seine Stelle trat ein Ölbild der Thüringerin Minna v. Doetichen de Rande, das den über dem Meer wandelnden Jesus und den sinkenden Petrus zeigte. Erst 1925 wurde die Krönung Mariens wieder an den ursprünglichen Platz eingefügt.



Das Passionskreuz über der Apsis aus dem 13. oder 14. Jahrhundert ist das älteste auf uns überkommene Stück aus Eidurn. Der Corpus ist jünger, dürfte aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen. Zur  Kanzel aus dem Jahre 1751 gesellte sich 1986 eine Taufe aus dem Jahre 1750. Ursprünglich stand sie in der früheren Halligkirche von Neugalmsbüll, deren Gemeinde sie als Dauerleihgabe Westerland überließ. Die  Taufschale ist eine Stiftung des Pastor Ambders aus dem Jahre 1703.


Oberhalb der Taufe erinnert eine Tafel an die erste grundlegende Renovierung 1789. Ihr Text, der den Ruhm dem damaligen Strandvogten Broder Hansen Decker zuschreiben wollte, wurde von dem bescheidenen Mann rechtzeitig geändert, so daß der Leser auf den Ruhm des Allerhöchsten hingewiesen wird. In englischer Sprache berichtet ein zweites, erst 1875 gestiftetes Epitaph von Daniel Wienholt.
Jener zweite Sohn des Hochwohlgeborenen Wienholt von Great St. Helen's in London wurde 1799 am Strand von Westerland entdeckt, von dem gleichen, so bescheidenen Strandvogt Decker geborgen. und der Tote auf dem Friedhof beigesetzt. Wienholt ging vor der holländischen Küste mit der Fregatte »Lutine« unter, deren Glocke bis heute bei Lloyds den Verlust eines Schiffes anzeigt.





Die Predigertafeln verzeichnen alle Geistlichen, die seit Beginn der Reformation in Westerland als Pastoren tätig waren. Bei der Renovierung 1986/87 wurden unter dem alten, im Fischgrätmuster verlegten Bodenbelag der Apsis vier Gräber gefunden, in denen Pastoren beigesetzt wurden. Der 1636 verstorbene Andreas Engel, im Amt seit 1581, wurde noch in der Rantumer Kirche beigesetzt, »weil die hiesige bei seinem Absterben noch nicht eingeweiht war«. Eine späte Stiftung ist das
 Votivschiff des Dreimasters »Phönix«. Die Brüder des im Alter von 40 Jahren verstorbenen Kapitän Michael C. Boysen stifteten es 1885 zu seinem Andenken.
Schöner Schmuck an der jetzt in der wieder entdeckten ersten Farbtönung gestrichenen Decke sind die  Kronleuchter. Der üppige, adlergekrönte mit 14 Lichtarmen, stammt aus dem Jahre 1682. Der achtarmige Messingleuchter ist ohne Bezeichnung aber möglicherweise älter.



Der charakteristische Turm wurde erst 1875 angebaut. Bis dahin wurde die noch aus Eytum - heute sagt man Eidum - stammende Glocke in einem Glockenstapel ähnlich denen der Kirchen in Morsum und Rantum, geläutet. Der Turmbau schuf Platz für eine  Orgel, erbaut von der Firma Marcussen / Apenrade. Hinter ihrem Konzerten viele Bewunderer findet. Die Lübecker Orgelbauwerkstatt Kemper & Sohn erstellte 1965/66 unter Verwendung der alten Pfeifen eine neue zweimanualige Orgel mit 14 Registern. Im Mai 1987 erfolgte nach der Restaurierung der Kirche auch die der Orgel durch die Firma Neuthor/Kiel. Anstelle eines wenig benutzten Registers (Quinte 1 1/3') wurde zur klanglichen Bereicherung ein neues Zungenregister (Krummhorn 8') eingebaut.


Beachtenswert sind die aus der Eidumer Kirche stammenden Sockelsteine aus Granit. Sie dienten noch bis 1965 als Stufen des Westausgangs. Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sogenannte »Kopfsteine«, befinden sich an der Südfront. Dort gibt eine  Sonnenuhr aus dem Jahre 1789 den Sylter Breitengrad mit »54°50« sowie den Breitengrad von Jerusalem mit »32°40.o« über der Reliefdarstellung Saturns mit dem Stundenglas an. L. Hansen schenkte sie zur »Reparation«. Der Kalfaster an der Südseite trägt den Maueranker 1765. Frühere Eingänge im Norden und Süden des Schiffes wurden vermauert. Der reiche Baumwuchs um die alte Dorfkirche gedieh erst um die Jahrhundertwende, als Häuser dem Grün Schutz vor den stürmischen Westwinden gaben. Das Pastorat vor St. Niels brannte 1917 ab. Es wurde 1924 neu errichtet.

Carla Petersen
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