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Die Kirchen in der ev.-luth. Kirchengemeinde

 

Die Kirche St. Niels | Die Kirche St. Nicolai

Die Pläne für den Bau der Westerländer Stadtkirche, die 1908 eingeweiht wurde, reiften lange. Die Dorfkirche St. Niels war für die Menschen des Ortes einfach zu klein geworden: Waren es 1885 noch 859 Einwohner, so verdoppelte sich die Bevölkerung innerhalb von zehn Jahren. Rasanter noch wuchs die Zahl der Kurgäste, trotz der umständlichen Reise über das Wattenmeer. Bis Westerland 1905 - fünfzig Jahre nach der Gründung des Bades - die Stadtrechte verliehen wurden, waren es über 20.000. Dennoch gab es zunächst viele Widerstände gegen den Bau einer großen Kirche. So war den Insulanern, die 1898 in Berlin bei Oberpräsident Köller vorsprachen, gesagt worden: “Kommen Sie nach 30 Jahren mit Ihrem Kirchenbau wieder". Aber man ließ sich trotzdem nicht entmutigen. 

Aus den Mitteln eines Kirchaufbaufonds wurde das zentral gelegene Grundstück in der Maybachstraße für 9.000 DM von Thönis Boysen erworben und nach Plänen des Geheimen Oberbauraths Hosfeld aus Berlin 1906 mit dem Bau begonnen. Die Bauaufsicht übertrug man dem Westerländer Architekten Bomhoff. Von den Gesamtkosten von 125.000 DM wurden 35.000 DM durch Westerländer Bürger und Kurgäste aufgebracht. Die Stadtvertretung erklärte sich bereit, Verzinsung und Amortisation von 40.000 DM zu übernehmen. Viele Stiftungen bereicherten das neue Gotteshaus. Die Turmuhr wurde zum Beispiel von der Sylter Dampfschifffahrts-Gesellschaft gespendet. 

Bei der großen Renovierung 1962/63 wurde der frühere Gesamteindruck ganz wesentlich verändert. Die überreiche Bemalung nach byzantinischem Vorbild wich einem für heutiges empfinden sicher allzu strengem Weiß und Grau. Die einzigen Farben im Kirchenschiff, für das eine Bestärkung der Möglichkeiten zur Meditation angestrebt wurde, waren den Fenstern vorbehalten. Die alten Kirchenfenster, die Sylter Innungen gestiftet hatten, mussten ohnehin ersetzt werden. Sie waren, nicht zuletzt durch die Nachbarschaft zum Schulhof, arg mitgenommen. Von der Apsis aus beherrscht neu ein breites Lichtband mit den Motiven der Passion Christi in intensiver Leuchtkraft den Raum. 

Drei kleine romanische Fenster hatten zuvor den von Westerländern geschnitzten und gedrechselten AItar erhellt. Wie er verschwanden bei der Renovierung auch die Kanzel und die hohen Wangen der Bänke. Alles war durch ausgemaltes und vergoldetes Schnitzwerk reich verziert. Einzige Zier des neuen, sehr schlichten AItars ist neben den Leuchtern aus dem 17. und 18. Jahrhundert ein Meditationskreuz. Es stammt, wie das Lichtband, aus der Werkstatt des Malers und Bildhauers Siegfried Assmann aus Ahrensburg. Auch die Seitenfenster sind seine Entwürfe. Im Norden sieht man Motive der großen Gleichnisse: Vom Barmherzigen Samariter, vom Verlorenen Sohn und von den Pharisäern und Zöllnern. Die Südfenster zeigen Geschehnisse aus dem Leben Jesu am See Genezareth: Den wunderbaren Fischzug, die Predigt vom Schiff aus und den im Sturm schlafenden Herrn.

Erhalten blieben die reichen Motive im umlaufenden Geländer der Emporen. Im Zuge der in den letzten Jahren vorgenommenen vorsichtigen farblichen Neugestaltung des Kirchenraumes wurden diese phantasievollen Kleinode der Schnitzkunst wieder hervorgehoben. 

Sehr alt ist der romanische Taufstein aus Granit. Er stand einst in der Kirche von Eidum, das die von der See bedrängten Bewohner bereits im 15. Jahrhundert verließen. Sie bauten aus den alten Steinen die kleine Dorfkirche im neuen Wohnort Westerland wieder auf. Aus Sicherheitsgründen wählten sie dafür einen Platz weit weg vom Weststrand; so weit, dass die Grenze zum Nachbardorf Tinnum unmittelbar hinter dem 1635 aufgebauten Kirchlein St. Niels verläuft. Doch das damals für wertlos erachtete, vom wandernden Dünensand überdeckte Gelände am Rande der offenen See wurde gut 200 Jahre später beim Aufbau des Bades zum hochbegehrten Bauland. 

Um den Ruf des Kurortes auch von Seiten der Kirchengemeinde zu stützen, erhielt St. Nicolai eine
große Orgel. Die alte Marcussen-Orgel wurde 1963 ersetzt und neu von der Firma Kemper Lübeck gebaut. Sie besitzt drei Manuale und 33 Register. 1990 wurde die Orgel von der Firma Neuthor nach gründlicher Überholung neu intoniert. Die Freunde guter Musik schätzen besonders die gute Akustik von St. Nicolai. Sie bildet nicht nur in der Saison mit ihren Konzerten einen kulturellen Schwerpunkt. 1989 wurde die Chororgel, ein Schmuckstück neben dem Altar, eingeweiht. Die ausschließlich aus Spenden finanzierte Orgel wurde von der Firma Neuthor Kiel gebaut und hat sieben Register. Bei großen Aufführungen, bei Amtshandlungen und Konzerten ist ihr Klang zu hören. 

1991 und 1993 wurden die großen Leuchter wieder zu altem Glanz erweckt. Der Kleinere hatte auf dem Dachboden gelagert, der Große war bei der Restaurierung vor 30 Jahren weiß übersprüht worden.

Seit 1990 können sich Insulaner und Gäste auch in nächtlicher Dunkelheit an der von angestrahlten Backsteinkirche freuen. Die Strahler verdeutlichen die Harmonie der äußeren Form, die romanische Elemente aufnimmt, im Spiel von Licht und Schatten noch mehr als das Tageslicht. Gemeinsam verwirklichten die Kirchengemeinde und die Stadt Westerland das Projekt, eines der schönen alten Bauwerke der Stadt hervorzuheben.

St. Nicolai ist wie die Dorfkirche St. Niels in den Sommermonaten für Besucher täglich von 9-17 Uhr geöffnet. 

Carla Petersen

Am 30.12.2001 wurde die Kirche um ein Kunstwerk bereichert:
"Tür zum Leben" der Künstlerin Angelika Kasching. ( www.kasching.de)

Die ehemalige eisenbeschlagene Eingangstür des Westerländer Obdachlosenasyls – jetzt zum „Haus Lichtblick" umgestaltet – zeigt die Skulptur eines Engels, der sich aus der Tür entfaltet und über dem Meer auf den Betrachter zugeht. Hinter seinen vergoldeten Flügeln steht in den verschiedensten Sprachen der Welt das Wort „Leben". Auf der Rückseite ist in silbernen Lettern ein Gedicht von Rainer Maria Rilke zu lesen. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten in der Kirche im Frühjahr 2002 fand „Die Tür zum Leben" ihren endgültigen Platz in einem Raum der Stille unter der linken Empore. Hierher kann man sich zurückziehen, den Engel auf sich wirken lassen und eine Kerze entzünden. 

 

 

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